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       „Großer Bruder“ liest im Unterricht
Autor und Quartiermanager Fadi Saad begeisterte
„Großer Bruder“ liest im Unterricht - Autor und Quartiermanager Fadi Saad begeisterte

Bürgermeister Marcel Bürger (B 90 / Grüne), Erster Bürgermeister Stefan Klein (SPD), Fadi Saad und Prof. em. Dr. Helmut Metze (v.l.n.r.) nach der Lesung in der Stadtbibliothek

 

„Großer Bruder“ liest im Unterricht - Autor und Quartiermanager Fadi Saad begeisterte

"Leute wie ihn hätte ich als Polizist früher gerne eingesperrt...", so Markus Müller vom WEISSEN RING e.V. vor der Lesung von Fadi Saad in der Realschule Salzgitter-Bad. "Und ich habe die Polizei damals gehasst!", erwidert der Buchautor und Quartiermanager aus Berlin. Müller und Saad sind seit gut zwei Jahren befreundet und engagieren sich gemeinsam gegen Jugendkriminalität.

Finanziert aus Mitteln des "Deutschen Kinderschutzbund e.V. Salzgitter" und des "Paritätischen Wohlfahrtsverband Salzgitter" kam Saad hier her und las aus seinen Büchern "Großer Bruder von Neukölln" sowie "Kampfzone Straße". Er diskutierte mit mehr als 170 Schülern zehnter Klassen der Hauptschule "An der Klunkau" und der "Realschule Salzgitter-Bad" lebhaft und authentisch. Eine weitere Lesung fand anlässlich des 25-jährigen Bestehens des Kinderschutzbunds Salgitter in der Stadtbibliothek statt. Auch hier begeisterte er die Zuhörer, unter ihnen Erster Bürgermeister Stefan Klein (SPD) und Bürgermeister Marcel Bürger (B 90/Grüne).

Er berichtete wie er als Araber in einer Großfamilie in Berlin aufgewachsen und bereits als Kind kriminell geworden sei. Er sei schließlich "Gangmitglied" geworden und habe mehrfach vor Gericht gestanden. Erst ein Wochenend-Arrest nach der achten Anklage habe ihn zur Besinnung gebracht. Er habe seinen erweiterten Hauptschulabschluss nachgeholt, einen kaufmännischen Beruf erlernt und sich ständig weiter gebildet. Nun sei er als Quartiermanager des Berliner Senats in seinem Kiez in Moabit als Vermittler der Menschen untereinander sowie zu Behörden, Institutionen und der Wirtschaft zuständig.

Für Saad sei es unerträglich, dass heute eine Kultur des Wegsehens herrsche. Die jüngsten Prügeltoten’ von Berlin zeigten dies auf grausame Weise. Wer schweige oder wegsehe stimme der Gewalt zu. Für ihn sei das Gefängnis kein Krankenhaus, aus dem man geheilt entlassen werde. Manche kriminelle Karriere beginne dort. Aber, und da sei er sich ganz sicher, müsse eine Verurteilung junger Ersttäter schnell nach der Tat, möglichst innerhalb weniger Tage, erfolgen. Auch solle nach seiner Auffassung schneller nach Ermahnungen ein Arrest folgen. Das erst schrecke oft, so wie ihn damals, ab.

Er selbst bedauere noch heute die Opfer, die er verprügelt habe. Vor Gericht sei er ohne merkliche Folgen davon gekommen und das Opfer sei enttäuscht und ohne Wiedergutmachung leer ausgegangen. Daher engagiere er sich auch für den WEISSEN RING e.V. und dessen Ziele, wie beispielsweise mit der Aktion "Gesicht zeigen!".

Bei den Lesungen ‚lockte’ er den Schülern eine Menge ihrer Vorurteile heraus. So gab die Mehrheit an, dass sie als Ausländer eher keine deutsche Frau heiraten würden und die deutschen Mädchen eher keinen muslimischen Mann. Diese Vorurteile, die Saad auf die Unkenntnis der Kulturen, Religionen und fehlender persönlicher Kontakte zurückführte, fingen im Elternhaus an. Deutsche Eltern wollten ihre Kinder vor vermeintlich unterdrückenden muslimischen Männern schützen, die die gemeinsamen Kinder später ins Ausland verschleppen würden. Eltern mit Migration-Hintergrund ihre Söhne hingegen vor deutschen Frauen, die vermeintlich nicht kochen könnten, ständig widersprächen, sich schnell scheiden und ihnen dann den Umgang mit den gemeinsamen Kindern verbieten ließen... Auch für seine Eltern und die seiner deutschen Frau sei vor zwölf Jahren die Welt zusammen gebrochen, als sie ihnen damals von ihren Heiratsplänen erzählten. Heute seien alle glücklich.

Um auch künftig Lesungen vor Schülerinnen und Schüler in Salzgitter ermöglichen zu können, werden Sponsoren gesucht.

 

Text / Foto: Pressestelle WEISSER RING Salzgitter