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Leiharbeit fair gestalten:
IG Metall Braunschweig fordert „Gleiche Arbeit - Gleiches Geld"!

„Die Entwicklung bei der Leiharbeit ist bedenklich", meint Detlef Kunkel, 1. Bevollmächtigter
der IG Metall Braunschweig. Bundesweit sind fast eine Million Menschen
von Leiharbeit betroffen, davon allein 260.000 in der Metall- und Elektroindustrie.
Eine Stichprobe in 21 Betrieben im Bereich der IG Metall Verwaltungsstelle Braunschweig
ergab, dass es in 17 dieser Betriebe Leiharbeit gibt und dass von den 490
LeiharbeitnehmerInnen knapp die Hälfte für mehr als zwölf Monate im entleihenden
Betrieb arbeitet.
Im Rahmen der Kampagne „Gleiche Arbeit - Gleiches Geld. Leiharbeit fair gestalten"
macht der Info-Truck der IG Metall heute Station auf dem ECE-Vorplatz. Braunschweig
ist die erste Stadt in Niedersachsen, in der der bundesweit tourende Truck
hält.
Kunkel erklärt weiter: „Leiharbeit bedroht bzw. ersetzt reguläre Arbeitsplätze. Die
zum Teil sehr lange Einsatzdauer der LeiharbeitnehmerInnen belegt, dass durch
Leiharbeit nicht nur Auftragsspitzen ausgeglichen werden. Ziel der IG Metall-Kampagne
„Gleiche Arbeit - Gleiches Geld. Leiharbeit fair gestalten" ist es deshalb, mit
den Verleihfirmen Vereinbarungen abzuschließen, die gleiche Bezahlung für die gleiche
Arbeit sicherstellen. Damit können wir die Verdrängung der Stammbelegschaften
stoppen und den Leihbeschäftigten ein vernünftiges Einkommen ermöglichen."
Ein Betrieb mit Leiharbeitskräften ist die Braunschweiger Flammenfilter GmbH. Die
Situation dort beschreibt Michael Cordes, Betriebsratsvorsitzender, wie folgt: "Bei
uns standen die fest Beschäftigten und die Leiharbeitnehmerinnen und Leiharbeitnehmer
Seite an Seite. Alle machten die gleiche Arbeit, die Entlohnung sowie die
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sonstigen Beschäftigungsbedingungen waren jedoch völlig verschieden. Daraus haben
wir Konsequenzen gezogen und zusammen mit der IG Metall Regelungen durchgesetzt:
LeiharbeitnehmerInnen werden, solange sie bei uns im Betrieb eingesetzt
werden, zu den gleichen Bedingungen und mit der gleichen Entlohnung wie die
Stammbelegschaft beschäftigt. Diese neuen Regeln sind seit Februar 2008 in Kraft.
Und: Sofern bei uns im Betrieb neue, feste Arbeitsplätze geschaffen werden, sollen
diese an die Kolleginnen und Kollegen gehen, die bei uns als Leiharbeitskräfte
arbeiten."
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Hintergrundinformationen:
Bundesweit sind fast eine Million Menschen von Leiharbeit betroffen, davon allein
260.000 in der Metall- und Elektroindustrie. Zunehmend werden die Stammbelegschaften
mit den schlechteren Konditionen der Leihbeschäftigten unter Druck
gesetzt.
Beschäftigte in Leiharbeit verdienen durchschnittlich etwa 20 bis 40 Prozent weniger
als ihre Kollegen in Festanstellung. Hinzu kommen noch ganz andere Nachteile
dieser speziellen Beschäftigungsform:
• Leiharbeitskräfte sind von Prämienregelungen ausgeschlossen.
• Integration am Arbeitsplatz findet kaum statt. Familienleben und soziale Kontakte
leiden durch dem ständigen Wechsel der Arbeitsorte.
• Leiharbeitskräfte unterliegen einem erhöhten Unfallrisiko, da sie häufig nur
unzureichend in Bezug auf den Arbeitsschutz geschult werden.
• Weiterbildungsmaßnahmen sind in der Leiharbeit bislang selten.
• Vom Zugang zu Betriebsrentensystemen sind Leiharbeitskräfte ausgeschlossen
und ihre Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung fallen niedrig aus.
• Die Solidarität in der Belegschaft leidet und die Standards der
Stammbeschäftigten geraten ebenfalls unter Druck.
• Leiharbeit ersetzt zunehmend reguläre Arbeitsplätze und etabliert einen
dauerhaften Niedriglohnsektor in deutschen Unternehmen.
Die Position der IG Metall:
Die Politik und der Gesetzgeber können die Bedingungen in der Leiharbeit
entscheidend verbessern. Deshalb machen wir gemeinsam Druck für faire Standards
in der Leiharbeit.
Gleiche Arbeit - Gleiches Geld: Eine gleiche Entlohnung sorgt für Fairness und
Gerechtigkeit auf dem deutschen Arbeitsmarkt.
Mindestlohn für Leiharbeit: Die Gewerkschaften sind bemüht die Tarifsituation
durch einen Mindestlohn-Tarifvertrag zu verbessern. Wir fordern von der Politik eine
Ausweitung des Arbeitnehmer-Entsendegesetzes auf die Leiharbeit, um einen
angemessenen Mindestlohn verhandeln zu können.
Teil der Deregulierung aus dem Arbeitnehmerüberlassungsgesetz entfernen:
Im Zuge der Deregulierung des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes können
Leiharbeitskräfte unbefristet verliehen werden, auch über Jahre. So ist dem
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systematischen und dauerhaften Ersatz der Festangestellten durch Leiharbeitskräfte
Tür und Tor geöffnet. Deshalb sollten Leiharbeitskräfte nur befristet eingesetzt
werden können.
Streichung der Tariföffnungsklausel: Die Tariföffnungsklausel muss aus dem
Gleichstellungsgrundsatz, der Leiharbeitskräften gleiche Bedingungen wie
Festangestellten zusichert, gestrichen werden. So können auch die
arbeitgeberfreundlichen Tarifverträge, die erst mit dieser Klausel möglich wurden,
unterbunden werden. Wir fordern mindestens eine Regelung, die den
Gleichstellungsgrundsatz über einen gewissen Zeitraum zur Pflicht macht.
Gesetzlicher Anspruch auf Festanstellung: Ein gesetzlicher Anspruch auf
Festanstellung ist eine alternative Perspektive für Beschäftige in Leiharbeit. Nach
einer gewissen Zeit der Tätigkeit in einem Entleihunternehmen müssen die
Arbeitgeber die Leiharbeitskraft fest anstellen. Diese Alternative birgt jedoch das
Risiko, dass die Entleihbetriebe dem Beschäftigten kurz vor Ablauf der Frist
kündigen.
Vorrecht auf die Besetzung freier Arbeitsplätze: Eine weitere Alternative kann ein
Vorrecht des Beschäftigten in Leiharbeit auf zu besetzende Stellen innerhalb des
Entleihbetriebes sein.